Europas Motorradmärkte wachsen 2026 zweistellig. Das klingt nach einer Nachricht für Händler – ist aber vor allem eine für dich: mehr Maschinen bedeuten vollere Lieblingsstrecken, einen bewegten Gebrauchtmarkt und viele neue Gesichter an der Tankstelle. Wir haben uns die Zahlen angesehen und aufgeschrieben, was sie für deine nächste Tour heißen.

Wenn du dieses Jahr das Gefühl hattest, dass auf den kurvigen Strecken mehr los ist als sonst, liegst du richtig. Die Zulassungszahlen zeigen: In fast ganz Europa sind wieder mehr Motorräder unterwegs.
Europas Motorradmarkt legt kräftig zu: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in den fünf größten Märkten 636.490 neue Zweiräder zugelassen. Das sind 16,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ganz so eindeutig ist der Vergleich allerdings nicht, denn die Einführung der Euro-5+-Norm hatte die Zulassungszahlen 2025 verzerrt. Der positive Trend bleibt dennoch deutlich erkennbar.
Für Deutschland zählt das Kraftfahrt-Bundesamt im ersten Halbjahr 68.768 neu zugelassene Motorräder – ein Plus von 20,9 Prozent. Allein im Juni kamen 12.609 Maschinen dazu, 19,2 Prozent mehr als im Juni 2025. Die höhere ACEM-Zahl oben zählt Roller mit, die KBA-Zahl nur Motorräder.
In der Markenwertung liegt BMW im Halbjahr vorn, im Einzelmonat Juni Honda. Bei den Modellen dominieren die BMW R 1300 GS, die Kawasaki Z 900, die Honda CBR 650 R und die CB 750 Hornet. Aufschlussreich ist ein Detail: Zählt man nur die privaten Zulassungen, schiebt sich die Z 900 vor die R 1300 GS – die GS holt ihren Vorsprung über gewerbliche Zulassungen.
Die Gründe unterscheiden sich von Land zu Land, doch ein Muster zeigt sich in vielen Märkten: Besonders kleinere Hubraumklassen, bezahlbare Modelle und Einsteigersegmente gewinnen an Bedeutung.
Mehr Maschinen heißt mehr Verkehr an den immer gleichen Punkten: Passhöhen am Sonntagmittag, die bekannten Bikertreffs, die eine Serpentine, die in jedem Reiseführer steht. Das ist nicht nur unangenehm, sondern hat Folgen – in mehreren Alpenregionen sind Lärmbeschwerden und Sperrungen inzwischen ein ernstes Thema, und die Strecken mit dem größten Andrang stehen dabei zuerst auf der Liste.

Der Boom betrifft nicht nur neue Maschinen. In den Niederlanden wurden im ersten Halbjahr 82.407 Gebrauchte verkauft, bei einem historischen Importrekord von 11.808 Fahrzeugen und den niedrigsten Exporten seit 2013. Es kommen also mehr Maschinen ins Land als herausgehen, der Bestand wird jünger – und wer gerade sucht, hat mehr Auswahl als in den Jahren davor.
Weil das Wachstum aus den kleinen Klassen kommt, sind viele der neuen Maschinen erste Motorräder. Rechne im Gruppenverkehr also mit unterschiedlichem Tempo, mit Fahrern, die eine Kehre langsamer nehmen, und mit mehr Bedarf an Pausen. Wer eine Tour für eine gemischte Gruppe plant, sollte kürzer ansetzen und mehr Stopps einbauen als für die eingespielte Runde.
2026 ist ein gutes Jahr für Motorräder – und eines, in dem sich eine gute Tourenplanung besonders auszahlt. Auf den bekannten Strecken dürfte es häufiger voll werden, doch oft liegt die bessere Alternative nur ein paar Kilometer daneben. Wer bei Route, Uhrzeit und Wochentag flexibel bleibt, findet auch in einer starken Motorradsaison noch genügend freie Kurven.
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